Wir sind zurück und gut angekommen

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Holland bis zur Ankunft in Hamburg

04.08.2016 – 12.08.2016    382.-391 .Tag

An meinem Geburtstag werde ich mit einem bekannten Lied und einem sehr schönen Geburtstagstisch überrascht, der dann in einen Frühstückstisch verwandelt wird. Draußen regnet und weht es. Für uns geht es weiter Richtung Lemmer über das windige Ijsselmeer mit seiner berüchtigten Welle. Sonja geht es leider erst wieder gut als wir in der Schleuse des Prinzes Margriet Kanals festmachen. Wir lassen Lemmer rechts liegen und fahren durch bis Sneek. Es geht mitten durchs Land vorbei an Wiesen mit Kühen und Vogelgezwitscher. Ab und zu begegnet uns ein Binnenschiff und ich freue mich über die Geburtstagsanrufe. Abgerundet wird dieser besondere Tag durch ein Abendessen in einer Tapas Bar. Am nächsten Morgen starten wir Richtung Leuwarden. Es gilt eine Abzweigung hinter Grouw zu nehmen und den großen Kanal zu verlassen. Der Tiefenmesser zeigt eine bedrohlich abnehmende Tendenz. Als wir feststecken lese ich 1,70m bei 1,80 Tiefgang. Etwas ratlos blicken wir Richtung grüner Tonne rechts und roter Tonne links. Wie es sich eben gehört. Vincent meint: die Rote ist näher. Ich entschließe mich mit erhöhter Motorkraft durch den Schlick nach rechts zu pflügen und siehe da, die Wassertiefe nimmt zu. Vincent sei Dank, die Fahrt geht weiter. Es war überhaupt amüsant, dass uns keiner so richtig sagen konnte wie lange die Durchfahrt der Mastroute dauert und ob 1,80 Tiefgang nicht doch etwas zu viel ist. „Geht auch schnell“ und „Müsste passen“ waren die präzisen Auskünfte anderer Segler. „Mit meinem Schiff habe ich es aber noch nicht gemacht.“ Etwas verunsichert geht es weiter durch die friesische Landschaft dann durch Leuwarden wo uns an einer Brücke ein Holzschuh an einer Angel entgegen geschleudert wird. Ach ja, wir müssen ja die Stadtpassage bezahlen. Ich verlangsame die Fahrt, Kathrin zückt in Formel 1- Geschwindigkeit das passende Entgelt und trifft zielsicher die Öffnung des Kassier-Schuhs. Dazu brüllt die bezaubernde Brückenwärterin: Schneller, schneller, grüner wird es nicht!“ Und ich dachte die Holländer wären so entspannt. Dies traf dann allerdings auf die weiteren Brücken- und Schleusenwärter zu. Wenn wir es nicht eilig hätten, wäre ein Aufenthalt in dieser Stadt sicherlich lohnenswert. Wir motoren mit 6 Knoten, Kathrin funkt die Brücken und Schleusen bei Annäherung mit ihrem weiblichen Charme an, worauf sich alle Tore wie von Geisterhand öffnen. Aber um 18:00Uhr wird klar, für heute ist Groningen unerreichbar. Wir legen noch kurz vor dem Lauwersmeer in Lunegat an. Für unsere Besucher Sonja und Freya geht die Ferienwoche zu Ende und sie werden hier von Caro am nächsten Morgen abgeholt. Raus geht es auf das Lauwersmeer, ein eingedeichter Bereich der Nordsee in dem es viele Schilffelder gibt. Wir werden erneut mitten im Fahrwasser vom Schlick zum Stillstand gebracht. Umdrehen und 2 Tage zurück fahren oder mit Risiko weiter hinein ins Lauwersmeer. Ich vertraue auf: „1,80m müsste passen“. Und gebe Gas. Es gelingt uns nach ca. 20 Metern tieferes Wasser zu erreichen. Die weitere Kanalfahrt beschert uns endlich mehr Wasser unter dem Kiel. Dafür müssen wir öfters nach oben schauen, damit sich der Mast nicht in überhängenden Bäumen verfängt. Wir erreichen Groningen am frühen Nachmittag. Vom Oosterhafen trennen uns aber noch 14 Brücken. Eine dem Berufsverkehr geschuldete Bedienungspause der Brücken nutzen wir zum Einkauf im „Jumbo“. Weiter geht es durch engste Kanäle und Brücken durch das Zentrum Groningens. Wir sind dem Ufer so nah, dass wir mit der Salingsspitze der Via mit leichter Krängung einen Restauranttisch abräumen könnten. Um 18:30Uhr werden wir von einer sympathischen Hafenmeisterin mit Megaphon an unseren Liegeplatz gewiesen. Ihr Restauranttipp: Eine Brauerei. Der nächste Morgen, Sonntag. Nur zu 2 festen Zeiten um 9Uhr und erheblich später werden die Brücken sonntags für Konvoifahrten stadteinwärts geöffnet, wir werden aber freundlicherweise auch stadtauswärts durch die Brücke gelassen. Um 12:00Uhr erreichen wir nach einer Schleusenpassage den tristen Industriehafen Delfzijls. Wir sind in der Ems und können jetzt barrierefrei nach Haus segeln. Mit dem nachmittäglichem Ebbstrom geht es noch am gleichen Tag weiter nach Borkum. Die Via erreicht nach fast 13 Monaten wieder deutsche Gewässer. Alle ausgewiesenen Liegeplätze sind belegt oder zu eng für uns. Wir legen uns unmittelbar hinter eine holländische Yacht an eine Mole mit dem Schild: Anlegen nur mit ausdrücklicher Genehmigung, VHF Kanal 14. Aber am Sonntag ist niemand für Genehmigungen zu erreichen. Am nächsten Morgen pfeifen uns im Hafen 6-7 Bft um die Ohren. Wir werden nach freundlichem Klopfen vom WSA Beamten daraufhin gewiesen, dass er sich an keine Genehmigung erinnern könne und bittet uns das Schiff zu verholen. Bei dem Wetter käme die Fischfangflotte bald herein. Wir haben Glück, die Holländer vor uns wollen zurück nach Delfzijl und überlassen uns ihren schönen Platz. Wir fahren mit dem Bus in den Hauptort und können von der Promenade die aufgewühlte Nordsee beobachten, die mit dem Hochwasser den gesamten Strand überspült. Die Strandkörbe sind dicht gedrängt am Ufer zusammen geschoben. Vincent und ich gönnen uns nach diesem Auslandsjahr einen Klassiker der deutschen Küche: Currywurst mit Pommes Rot/Weiß. Am Nachmittag verabreden wir uns mit einem jungen holländischen Paar mit ihrer Freedom am nächsten Morgen gemeinsam um 4:30Uhr mit dem ablaufendem Wasser zu starten. Das nette Paar fragt, ob sie sich uns anschließen dürfen, sie hätten noch nicht so viel Erfahrung. Nordwest 5-6, Böen 7 ist die Vorhersage. Im Dunkeln geht es mit heftigen Schauern Richtung Borkum Riff durch das Fahrwasser. Der Strom mit uns, der Wind genau gegen uns. Jeder Nordseesegler weiß was das bei diesen Windstärken bedeutet. Sehr steile und hohe Wellen von vorn. Wie gut, dass die Via fast 12m lang ist und der Motor stark. Nach 9 Meilen können wir um 7:00Uhr endlich auf Nordostkurs Richtung Cuxhaven gehen. Die Berechnungen stimmen. Wir sind bei dem Wind schnell unterwegs. Die Elbe erreichen wir mit dem einlaufendem Wasser und der starke Nordwestwind verlängert den helfenden Flutstrom bis zur Hafeneinfahrt um 19:00Uhr. Wir freuen uns wieder einmal über die starke Leistung unserer Via. 110 Meilen in 15 Stunden. Die holländischen „Mitsegler“ sind am Abend auch froh gut angekommen zu sein. Der Skipper steuerte 15 Stunden nonstop ihre Freedom während seine Freundin seekrank unter Deck lag. Wieder fröhlich lachend ging es für die Beiden jetzt direkt in ein Restaurant. Ich telefoniere mit Bert Frisch, dem Stützpunktleiter des TO. Er begrüßt uns und gratuliert sehr herzlich. Leider ist er im Urlaub in Schweden. Sonst wäre er gekommen. Die freundliche Hafenmeisterin lädt uns für eine Nacht in ihren Vereinshafen ein. Eine wirklich freundliche Geste. Morgens um 3:00Uhr legen wir ab und fliegen mit gut 9 Knoten strombegünstigt nach Wedel, wo wir schon um 9:30Uhr von Lina meiner Tochter, die auf dem Weg zum Flughafen ist, erwartet werden. Eine schöne Überraschung. Das Schiff wird aufgeklart, die Gastlandflaggen zusammengeknüpft, der Wedeler Getränkeservice bringt uns Sekt und Bier für die eigentliche Ankunft am nächsten Tag. Wir schlafen nochmal richtig aus und dann geht es Richtung Elbphilharmonie. Kein Wind, also Motor. Eine richtig schöne Vorfreude begleitet uns zum Finale unserer Reise. Da stört uns auch nicht der Nieselregen und die frische Temperatur. Vincent sagt treffend: „Wenigstens hatten wir einen schönen Winter“. Kaum passieren wir die Docks von Blohm und Voss, entdecken wir stark bewegte bunte Regenschirme und eine winkende Hamburgflagge vor der Cap San Diego. Trotz des Wetters steht eine beachtliche Schar von Freunden und Familie am Ufer. Ein herrlicher Empfang. Wie versprochen laufen wir um kurz nach 12:00Uhr am 12.8.2016 in den City Sportboothafen ein. Etwa 12.000 Seemeilen liegenhinter uns. 100 Häfen haben wir besucht und 22 Gastlandflaggen wehen bunt und stolz im grauen Hamburger Sommerhimmel. Wir haben es wirklich geschafft.

 

Bretagne bis Holland

20.07.2016 – 03.08.2016    367.-381.Tag

Die Bretagne verabschiedet uns mit Windstille und Hochdruckwetter. Idealer Test für die neue Lichtmaschine und ihren Regler. Alles spielt und die Stömung unterstützt uns überwiegend auf der Nachtfahrt in Richtung Kanalinsel Guernsey. Wir kommen wieder einmal früher als erwartet an und legen bei Hochwasser morgens um 7:00 Uhr erst einmal an der Tankstelle an. Das passt aus zwei Gründen gut. Der Steg der Zapfsäulen fällt bei Niedrigwasser nahezu trocken und der Diesel ist auf dieser englischen Insel steuerfrei. Das führt bei vielen Booten natürlich zu längeren Wartezeiten. Tja, „der frühe Vogel“ ist als erster fertig und wir können nach einer kurzen Wartephase auf Aufforderung des Hafenmeisters in die Victoria Marina einfahren. Das geht bei 7.80m Tidenhub nicht immer, denn die Einfahrt fällt bei Niedrigwasser meterhoch trocken. Wir haben einen netten Platz neben Dörte und Felix aus Kiel. Sie sind mit ihrer „Festina Lente“ auf dem Weg in den Süden. Wir freuen uns, es ist für uns schon eine Weile her, Segler aus der Heimat getroffen zu haben. Grund genug für ein gemeinsames Getränk und Erfahrungsaustausch. Wir sind trotz der kurzen Nacht gar nicht müde und erkunden St.Peter Port. Abends findet um uns herum der einmal im Jahr veranstaltete „Harbour Carneval“ statt. Wir sitzen in der ersten Reihe beim Entenrennen und dem anschließenden Dinghi Race. Das Feuerwerk rundet unseren Aufenthalt ab. Weiter geht es Richtung Dieppe. Wieder zunächst ohne Wind. Wir fahren durch das Alderney Race dicht am Cap de La Hague bei Springtide vorbei. Das bedeutet Strom bis 7 Knoten und Eddies ( Strudel) ohne Ende. Wir nutzen unseren Plotter, fahren fast im rechten Winkel zu unserem eigentlichen Kurs und werden mit bis zu 10 Knoten um die Ecke gespült. Begleitet von heftigen Schiffsbewegungen – bei Windstille. Ein Erlebnis, das wir bei viel Wind nicht wiederholen würden. Anschließend werden wir endlich mit Segelwind belohnt. Dieppe erreichen wir nach einer ruhigen Nacht am frühen Morgen bei Niedrigwasser. Die hoch aufragenden Mauern der Hafeneinfahrt versperren uns zunächst den Blick auf die Stadt. 6 Stunden später liegen wir bei Hochwasser 8 Meter höher und haben einen guten Blick auf die umliegenden Häuser mit ihren Restaurants und Cafés. Es ist eine schöne lebendige nordfranzösische Atmosphäre. Wir hören von dem schrecklichen Anschlag in der Kirche nur wenige Kilometer südlich von uns.

Schon am nächsten Tag geht es 50 Meilen weiter nach Boulogne sur Mer. Der 27.7., Vincents 16. Geburtstag wird traditionell an Bord aber nicht auf See gefeiert. Wir genießen den Tag zusammen in Boulogne obwohl das Wetter nordeuropäisch kühl und regnerisch ist. Nächster Hafen: Nieuwpoort in Belgien. Wir wollen gern unsere belgischen Segelfreunde Jan und Christina aus Bermuda und Horta in ihrem Heimathafen besuchen. An der Einfahrt steht eine kleine Hundestatur von Jan auf einem Poller, der schon manch besorgte Telefonate ausgelöst hat. Wir rufen an und sie kommen sofort auf einen Wein zu uns an Bord. Einfach schön sie hier in ihrer Heimat wiederzusehen. Trotzdem geht es am nächsten Morgen direkt weiter Richtung Amsterdam. 110 Meilen stehen uns bei viel achterlichem Wind bevor. Aufregend ist die Passage vor Antwerpen, wo wir durch eine nicht endende Perlenschnur von auslaufenden Frachtern, Tankern und Containerschiffen kreuzen müssen. Rotterdam erscheint uns dagegen ruhig obwohl dies doch der größte europäische Hafen sein soll. Schon nach 15 Stunden erreichen wir um Mitternacht Ijmuiden. Wir haben alles gegeben und nonstop gesteuert. Der erste Hafen, den wir in unserem Jahr das zweite Mal sehen.

An der Rezeption wartet ein Geschenk von Roland auf Vincent. Das holen wir ab und weiter geht es in den Sixhaven im Zentrum von Amsterdam. Wir sind zum Geburtstag von Kathrin mit ihrer Schwester und ihren Nichten verabredet. Der beginnt mit einer Rangierfahrt im Hafen. Der Sixhaven ist wegen seiner großartigen zentralen Lage gegenüber vom Hauptbahnhof Amsterdams immer überfüllt. Das bedeutet, dass dort eigentlich den ganzen Tag Schiffs- Tetris stattfindet. Geregelt ist sinnvoller Weise nur, das Schiffe bis 12:00Uhr auslaufen müssen und erst nach 12:00Uhr einlaufen können. Der sonnige Geburtstag zeigt uns Amsterdam von einer viel angenehmeren Seite als vor einem Jahr, als um uns herum die Bäume umknickten und Schauerböen durch die Grachten heulten. Mit neuer Literatur ausgestattet gehts am 2.August weiter durchs Markermeer nach Enkhuizen. Beschauliches Segeln nach unserem Atlantikjahr. Kathrins Nichten Freya und Sonja begleiten uns.

Wir wollen uns noch die „Staande Mastroute“ gönnen. Morgen geht es nach Lemmer, dann in die Kanäle gen Delfzijl, weiter auf der Ems Richtung Borkum und dann entlang der ostfriesischen Inseln über Cuxhaven nach Hamburg.

Unser Ankunftstermin steht fest. Wir wollen am Freitag, den 12.8.2016 mit dem Mittagshochwasser etwa gegen 12:00 Uhr im City Sportboothafen ankommen. Wir freuen uns darauf.

 

Ankunft in L‘ Aber Wrach

08.07.2016 – 19.07.2016    356.-366.Tag

Deutschland ist ja leider nicht Europameister geworden. Nino dir noch einmal besten Dank für die vielleicht erste Satellitentelefon SMS Liveübertragung der Fußballgeschichte der letzten beiden Spiele der EM. Dafür sind wir gut in L Áber Wrach in der Nordbretagne angekommen. Wir haben unseren Nordatlantikkreis an der Westtonne Portsall nach 11 Monaten geschlossen.Dort waren wir schon am 16.8.15 mit Andre an Bord von Dartmouth Richtung Chenal de Foux vorbeigesegelt. Auch in diesem Jahr hat uns eins der gefährlichsten Seegebiete Europas, die Biskaya, mit Windstille empfangen. Die letzten 360 Seemeilen musste uns der Motor voran bringen. Das hat leider dann der Lichtmaschine nicht so gut gefallen und uns eine Überspannung produziert. Wir haben dann einem Kreuzfahrtschiff gleich alle Lichter leuchten lassen und als das noch nicht genügte den Wassermacher gestartet. Fließend warmes und kaltes Wasser satt verhalf uns zum mehrmaligem Duschen an den letzten Tagen auf See. Die Bretagne empfängt uns mit hochsommerlichen Temperaturen, Windstille, guten Restaurants und der Fete Maritime in Brest. Alle 4 Jahre findet dort ein Treffen vieler Traditionsschiffe und Großsegler statt, das begleitet wird von Musik, Kunst von Partnerländern und Austellungen. Die ganze Stadt ist voller Besucher. Wir verbinden die Suche nach einer neuen Lichtmaschine mit einem Besuch. Wir entdecken auch die Gipsy Moth 4 von Sir Francis Chichester. Er hat 1966 mit diesem Schiff als erster Einhand die Welt mit nur einem Stop in Sydney umsegelt. Er wurde daraufhin von der Queen mit dem Schwert von Sir Francis Drake zum Ritter geschlagen. Wir werden eingeladen das Boot zu besichtigen.

Die Lichtmaschine finden wir nicht. Da geben wir dann doch eine Bestellung in Deutschland auf. UPS Express sei Dank. Nach 22 Stunden ist sie grad schon angekommen. Jetzt eingebaut und die Funktionskontrolle bestanden. Grund zum Feiern ist aber auch unser Jahrestag. Heute vor einem Jahr genau ging es in Wedel für uns los. Wir können es kaum glauben, wie weit wir gekommen sind. Zur Feier gibt es einen gekühlten Rosé.

 

 

 

 

 

Grüße vom Rand der Biskaya

unsere Position 12.7.2016 13:00 UTC

44°53,5 N
013°14,5 W

Wenn ihr am Strand von Mimizan Plage an der französischen Atlantikküste stehen würdet und 560 Seemeilen weit sehen könntet, würdet ihr die Via bei schönstem Wetter im ersten Reff bei 5 Windstärken am Wind auf Steuerbordbug segeln sehen. Vincent schaut einen Film. Kathrin ruht sich in der Koje aus. Es sind noch gut 400 Meilen bis Brest.2/3 unserer Überfahrt sind schon geschafft. Alles Bestens bis jetzt, heute morgen zum Frühstück sogar 3 Blas Fontänen von Walen. Wer hat eigentlich Wache? Ach ja, ich glaub ich geh jetzt besser mal an Deck.

Bis bald

die Viacrew

Abschied von den Azoren

06.06.2016 – 07.07.2016    324.-355.Tag

Die letzten 4 Wochen war ja die Via sich selbst überlassen. Kathrin und Vincent waren in Hamburg in ihrem zweiten „Zuhause“ bei Britta und Jost wo sie immer so herzlich willkommen sind. Vielen Dank dafür. Ihre Zeit war angefüllt mit vielen Verabredungen mit Familie und Freunden und auch mit Schulbesuchen und Vorstellungsgesprächen.

Ich war ja bei der EM in Toulouse und Bordeaux im Einsatz verbunden mit dem Wiedersehen der Kollegen. Schöne Spiele durften wir übertragen. Überragend das Spiel Deutschland Italien mit 18 Elfmetern. Der Rückflug nach Ponta Delgada hatte dann auch noch einen besonderen Aspekt. Der Portugiesische Präsident Soares saß vor mir mit Begleitern als einfacher Passagier im Flieger von Lissabon nach Porto.

In Ponta Delgada angekommen entdeckten wir die First Step. Ein Katamaran dessen Crew Vater und Sohn wir in St.Lucia kennengelernt hatten. Jetzt war nur der Sohn Micha an Bord. Er lädt uns spontan zum Thunfischessen ein. Ein herrlicher Empfang. Er verlässt das Boot auch für 4 Wochen und verteilt noch frische Vorräte. Wir sind dankbare Abnehmer und treffen uns zum Spiel Portugal-Wales in der Hafenbar. Die Nacht danach ist es auf den Straßen ziemlich laut.

Das hält uns aber nicht davon ab heute die letzte lange Etappe etwa 1150 Meilen gen Brest anzugehen. Wir melden uns von unterwegs und hoffen bei der Ankunft zu hören, dass Deutschland Europameister ist.

Drückt für alle Fälle die Daumen

Azoren

13.05.2016 – 05.06.2016    303.-323.Tag

Mit der Seabee und der Grace gönnen wir uns Getränke in Peters Sportsbar. Die Kneipe ist so berühmt, weil der Vater des heutigen Besitzers der Ansprechpartner für die früher wenigen Segler war. Er stellte Kontakte zu Handwerkern und auch bei Bedarf zu Ärzten her. Er übernahm Briefumschläge von Yachten mit Nachrichten oder anderen Dingen für Segler die später eintrafen. Es gab natürlich immer gutes Essen und Getränke. Zum Dank lassen viele Yachties ein Souvenir ihrer Yacht zurück. Nachdem wir ausgeschlafen und geduscht haben geht es zu Fuß durch die Straßen des kleinen Ortes, der bei Seglern einen großen Namen hat. Der Hafen liegt in einer Bucht zwischen den Inseln Faial und Pico und bietet guten Schutz vor den großen Atlantikwellen. Hier soll auch schon Kolumbus auf seiner Rückfahrt gestoppt haben. Der Ort ist ruhig, ein wenig heruntergekommen. Der Walfang liegt schon einige Zeit zurück. Die prächtigen Kirchen fallen auf. Reichtum gab es vorübergehend auf den Inseln als um die Jahrhundertwende Telegraphenkabel von Europa nach Amerika verlegt wurden. Damals eröffneten Kabelgesellschaften Niederlassungen auf diesem günstig gelegenem Archipel.

Harry klopft bei uns an. Er stellt sich vor als deutscher Schiffszimmermann und Vertreter für unsere Windpilot Anlage und fragt, ob alles in Ordnung sei. Wir finden alles in Ordnung und laden ihn auf einen Kaffee ein. Harry lebt hier seit 2008. Er ist damals mit seiner Yacht Grisu angekommen. Ihm gefiel es hier so gut, dass er geblieben ist. Unser Schiff kommt ihm bekannt vor und tatsächlich, er ist damals zusammen mit unseren Vorbesitzern gen Süden gesegelt. Da hieß es ja noch Via Vitae und war anders „gestreift“. Viele Grüße an Thomas und Detlef sollen wir unbedingt ausrichten und die sind hiermit schon einmal überstellt. Beim Aussteigen fällt Harry unser gelockertes Lenkrad auf. Er bietet uns an, es zu reparieren. Außerdem hat er eine Quelle für gutes Schwarzbrot. Wir bestellen sofort. Wir fragen ihn, ob er nicht auch noch einen Raymarine- Experten kennt. Unsere Windmesseinrichtung funktioniert ja seit der Karibik nicht mehr. Er schickt uns zu Piet. Er sei der Beste der Insel für elektronische Problembeseitigungen. Piet lebt hier seit 18 Jahren und führt zusammen mit Duncan, einem Amerikaner einen Yachtservicebetrieb. Piet ist geschmeichelt von dem Lob von Harry und relativiert es auf die feine englische Art: Er freue sich darüber aber außer ihm gäbe es niemanden auf der Insel, der sich mit Yachtelektronik auskennt. Das Problem hat er gelöst. Ein neues Kabel musste in den Mast eingezogen werden. Auch das Lenkrad wurde wunderbar repariert. Befreit von technischen Problemen mieten wir ein Auto. Es geht in die Berge zur Caldeira. Ein eindrucksvoller Vulkankrater, der bevölkert von schwarzbunten Kühen umwandert werden kann. „Kann“ ist das richtige Wort. Wir haben Pech. Wir stehen mitten in einer dichten Wolkendecke und sehen trotz starken Windes nur wenige Meter Grün mit Kuhfladen benetzt während uns der Nieselregen in die Augen sticht. Die gefühlte Temperatur, 8 Grad. Wir wenden uns mit Grauen ab und fahren bergab an die Küste. Die Sichtweite und die Temperatur nehmen zu. Wir fahren in den Westen zu einem Leuchtturm, der nicht mehr unmittelbar an der Küste steht. 1957 brach hier der Vulcao Capelinhos aus und ließ aus dem Meer eine neue Insel entstehen die dann langsam an Faial heranwuchs. Ein tolles Museum ist unterhalb der Erdoberfläche beim Leuchtturm eingerichtet, das alle Entwicklungsstufen dieser Halbinsel mit modernen Medien und alten Fotos zeigt. Eine Rundfahrt an der Küste beeindruckt mit vielen Aussichten über Berge und Schluchten auf das Meer. Wir haben Zeit und genießen das Hafenleben während auf dem Atlantik viel schlechtes Wetter herrscht. Mit ein wenig Sorge hören wir von einigen bekannten Schiffen, die sich wohl mit kräftigen Tiefs herumschlagen müssen. Umso größer ist die Freude, wenn Bekannte ankommen, wie Jörg von der Midnight Sun, Luc mit seiner Cardo, dem Spendenprojektboot aus Bermuda. Andere weichen nach Flores aus, wie die Jucunda, die Viktoria und die Inua. Und dann lernen wir natürlich auch noch neue Segler kennen. Die Familie Müller von der Venga aus Neustadt. Eva und Daniel mit Sohn Piet finden wir auf Anhieb sympathisch. Wir laden uns gegenseitig zum Essen ein und es findet ein 3,5 stündiger Monopoly Marathon statt. Viele Segler starten bald wieder um das europäische Festland zu erreichen. Auch die Seabee hat es eilig. Nach zwei Wochen geht es auch für uns mal weiter nach Sao Jorge. Die 22 Meilen führen vorbei an der Insel Pico und seinem Bilderbuchberg. Pico heißt der Vulkankegel auf der gleichnamigen Insel, er ist mit über 2300m der höchste Berg Portugals. Sao Jorges Hafen Velas ist künstlich in einer engen Bucht unterhalb einer steilen Felswand gebaut worden. Freundlichst werden wir vom Hafenmeister persönlich empfangen. Außer uns sind nur 2 weitere Gastlieger im Hafen. Er schwärmt von seiner Insel und sprudelt förmlich Ausflugsziele und Restaurantempfehlungen hervor. Wir lassen uns nicht lange überreden und versuchen einen Teil seiner Vorschläge abzuarbeiten. Einen Tag später können wir ihn verstehen. Schön, das wir Zeit für die Azoren haben. Wenn nur das Wetter nicht wäre. Die Prognose geht am Abend schon wieder von demnächst anrückenden und anhaltenden Starkwindfeldern aus.

Wir wollen unsere gebuchten Flüge von Ponta Delgada nicht gefährden und entschließen uns Terceira auszulassen und segeln die 140 Meilen direkt nach Sao Miguel, der Hauptinsel von den Azoren. Nach 22 Stunden erreichen wir die Marina Ponta Delgada, die nur 4km vom Flughafen entfernt ist. Ideal nicht nur für uns. Es gibt einige Langzeitlieger auch aus Deutschland. Der Hafen hat leider bei Winden aus Ost und Süd ein Schwellproblem. Zwar schon mehrfach gebremst haben die großen Atlantikwellen dann immer noch Bewegungspotential. Man erkennt das gut an der spinnennetzartigen Befestigungstechnik vieler Yachten, die gleich mehrere Plätze einschließt. Nach Rücksprache mit dem Hafenmeister entflechten wir so ein Netz, legen an und spinnen uns mit unseren Nachbarn an einem guten Liegeplatz zusammen wieder ein. Wenig später kommen die Besitzer der Nachbaryacht und geben uns und unserem Netz ihren Segen. Sie sind auch Deutsche, die seit 19 Jahren hier liegen und ein Boot- und Segelservicebetrieb eröffnet haben. Wir werden ja jetzt auch zum Langzeitgastlieger, nicht 19 Jahre aber 19 Tage bleibt das Boot sich selbst überlassen. Kathrin und Vincent genießen nach elf Monaten an Bord 3 Wochen Heimaturlaub und für mich geht es gute 3 Wochen zur EM nach Frankreich. Arbeit – aber auch ein Wiedersehen mit den Kollegen und eine Veranstaltung auf die ich mich sehr freue.

Mit uns ist gleichzeitig die Rally Elite der Welt eingetroffen. Vom 2.6.-4.6. findet hier die „Azores Airlines Rallye“ statt. Eurosport ist dabei. Das Fahrerlager ist direkt an der Marina aufgebaut. Wir finden das super. Beim abendlichen Besuch wird Vincent in das tschechische Team aufgenommen und darf sich hinters Lenkrad setzen. Ab sofort sind wir Fans für den Skoda Fabia Nummer 8. Bei der Autovermietung bekommen wir einen Corsa ecoline. Mit dem Wagen bleibt uns leider nur das Zuschauen. Am Freitag abend gibt es einen Prolog in der Stadt. Am nächsten Tag geht es auch für uns auf die Strecke. Die Inselbesichtigung verbinden wir mit einem Rallye Besuch. Wir finden einen Platz hinter einer Feldsteinmauer, die beidseitig einen schmalen Feldweg einfasst. Mit brüllendem Motor fliegen die Autos mit über 100 Stundenkilometern über einer Bodenwelle an uns vorbei, in einer Staubwolke kreischen die Bremsen dann driften die Fahrer durch eine rechtwinklige Kurve und beschleunigen unglaublich. Die Autos verschwinden schnell wieder hinter der nächsten Kurve. Wir entspannen uns in Furnas. Es gibt dort heiße eisenhaltige Quellen in denen man bei 39 Grad Wassertemperatur in verschiedenen Becken seiner Haut Gutes tun soll. Wir probieren und genießen. Einkauf bei Continente und Decathlon runden die Inselentdeckung ab. Wir wollen ja abfahrbereit sein wenn wir wiederkommen.

Angekommen auf den Azoren

02.05.2016 – 14.05.2016    289.-302.Tag

Wir sind da, zurück in Europa. Stolz und glücklich und schon nach 12 Tagen. Sonntag Morgen um 7:30 Uhr in Horta und wieder bei Regen und im Halbdunkel. Frisch ist es auch. Wir fühlen uns gleich zu Haus. Wir gehen längsseits bei einem holländischen Weltumseglerpaar. Sie sind nach 55 Tagen am Abend vorher aus Kapstadt angekommen. Die Kaimauer ist mit Schiffen besetzt, die in der vergangenen Nacht Horta erreicht haben und darauf warten ab 8:00 Uhr einklarieren zu können. Wir sind die Letzten und gehen gleich mal mit unseren Papieren in unserem triefenden Ölzeug zum Hafenkapitän. Dadurch sind wir jetzt die ersten, die einen Platz in der Marina zugewiesen bekommen. Wir entdecken die Grace und die Anorak, zwei Schiffe der ARC, mit denen wir schon in Las Palmas am selben Steg gelegen haben. Jetzt ist es Zeit, unseren Champagner von Jan und Sandra zu genießen. Wir haben unsere ‚Bergetappe‘ gemeistert.

Die Bedingungen waren wirklich gut. Die ersten Tage sonnig, warm, perfekter Halbwind mit 4-5 Beaufort, die Ski-Unterwäsche konnte noch liegen bleiben! Die letzten Tage wurd’s ungemütlicher und kalt. Ich war etwas angespannt. Meine Sorge war, dass uns das Tief noch überholt und es wirklich ungemütlich werden könnte. Die Wellen waren schon recht hoch und vor Allem nicht einheitlich. Es gab eine Restdünung quer zur Windsee. Unser Winkel zum Wind war 90 Grad. Es entstanden immer wieder Kreuzseen von denen wir dann steil bergab rutschten. Am Samstag beruhigte sich dann die Lage. Es begann dann unaufhörlich in unterschiedlicher Stärke zu regnen. Die letzten 60 Meilen musste wegen Windarmut sogar noch der Motor helfen.

Jetzt wird geschlafen, geduscht und es gibt bestimmt bald einen Drink in der berühmten Peter´s Sports Bar. Vielleicht sogar mit unseren Freunden von der Seabee. Sie sind vor uns direkt von Antigua aus Richtung Azoren gestartet und grad hier ankommen.

Die Via ist kurz vor Faial/Azoren

Position: 38°31,6 N
033°53,7 W
Kurs: 89°

Na ja, es liegen noch 250sm vor uns, dafür ein Tief mit viel Wind dicht hinter uns. Wir segeln mit der Taktik einer Hochseeregatta, nur dass wir den starken Wind und den Spi vermeiden, momentan bei uns 5, Böen 6-7 Bft. Trotzdem sieht es so aus, dass wir Horta auf Faial schon nach 12 Tagen in der Nacht zu Sonntag erreichen.

Viele Grüße und frohe Pfingsten von der Crew